Günter Gloser MdB - Staatsminister für Europa

14. Oktober 2006
Zwischen Ärztestreik & Libanonkrieg: Journalismus hautnah – unser NN-Redaktionsbuch

von Teresa Harrer, Veit-Stoß-Realschule

Wie wird bei einer Tageszeitung wie den Nürnberger Nachrichten gearbeitet? Wer entscheidet, was gedruckt wird? Wie wird die Arbeit von so vielen Mitarbeitern koordiniert? Wie aktuell sind die Informationen bzw. wie lange kann nachts noch etwas geändert werden, bevor die Zeitung in den Druck geht?

Diesen und noch vielen anderen Fragen gingen wir am Dienstag, den 1. August 2006 auf den Grund.

Politikredakteur Georg Escher führte uns in einen Redaktionsraum, wo er unserer Gruppe, die sich um den riesigen ovalen Tisch herum platziert hatte, zuerst einen gewissen Überblick über die Arbeit bei den Nürnberger Nachrichten vermittelte.

Die Zeitung ist in die Hauptbereiche „Politik“, „Wirtschaft“, „Sport“, „Lokales“ usw. gegliedert, wobei jeder Bereich eine eigene Redaktion hat. Über die Inhalte, also darüber, was in der jeweiligen Ausgabe in dem entsprechenden Zeitungsteil zu lesen ist, wird in einer täglich stattfindenden Sitzung aller Redakteure des Bereiches entschieden. Zusätzlich gibt es noch eine Ressort-übergreifende Redaktionskonferenz, in der die Gesamterscheinung des Blatts beschlossen wird.

Anschließend beantwortete Georg Escher alle Fragen von „Ab wie viel Uhr kann am Layout der Zeitung nichts mehr geändert werden?“ über „Hat die NN überhaupt ernsthafte Konkurrenz?“ bis hin zu „In welchen Ländern hat die Zeitung Korrespondenten?“.

Erstaunlicherweise können sogar noch Änderungen an einer Ausgabe vorgenommen werden, wenn bereits die ersten Exemplare gedruckt sind. So kann es beispielsweise vorkommen, dass die Ergebnisse eines Fußballspiels, welches erst spätabends stattfindet, am nächsten Morgen in der Zeitung stehen: allerdings nur in einem Teil der Auflage, etwa für die Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen, während weiter entfernte Lokalausgaben bis dahin schon gedruckt sind. Weil die Auslieferung zeitlich mit einzukalkulieren ist, müssen die Ausgaben für umliegende Ortschaften früher fertig gestellt und gedruckt werden. In der Nürnberger Ausgabe können die Spielstände dagegen noch nachgetragen werden. Als „Deadline“ für letzte Änderungen gab Herr Escher ca. Mitternacht an.

Echte Konkurrenz gebe es für die Nürnberger Nachrichten zumindest bei den Abonnementszeitungen kaum, da auch die Nürnberger Zeitung ja im selben  Verlagshaus erscheint und überregionale Blätter wie die Süddeutsche Zeitung oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung von den meisten Lesern eher zusätzlich zu der regionalen Zeitung abonniert werden. Dennoch müsse sich die Redaktion täglich bemühen, den Lesern ein möglichst gutes Produkt zu präsentieren, denn niemand könne sie zwingen, eine Zeitung zu abonnieren, die sie nicht gut finden.

Zu den Standorten der Korrespondenten erklärte Herr Escher, dass die Nürnberger Nachrichten sich eine für eine Regionalzeitung vergleichsweise große Anzahl an Korrespondenten leiste. In der nahöstlichen Krisenregion aber habe die Zeitung derzeit keinen eigenen Korrespondenten. Im Irak insbesondere sei die Situation derzeit für westliche Journalisten akut lebensgefährlich, weshalb dort derzeit nur noch ganz wenige westliche Kollegen unterwegs seien. Ansonsten teile sich die Zeitung  etliche Korrespondenten mit anderen Tageszeitungen, deren Verbreitungsgebiet sich nicht überschneide.

Ein wahres Highlight war die Konferenz der Politikredaktion, bei welcher wir „live“ dabei sein durften. Es war sehr interessant zu sehen, wie es bei einer solchen Besprechung so zugeht. Sehr kurz und prägnant, für Außenstehende fast abgehakt wirkend, werden die Absprachen getroffen, Zuschauern könnte beinahe der Eindruck entstehen, es handele sich um eine Stichpunktsammlung.

Ein wenig schockiert waren wir auch von der kalt anmutenden Sachlichkeit, mit der hierbei über Ereignisse in Krisengebieten gesprochen wurde; Herr Escher sagte uns aber später, dass es im Journalismus notwendig sei, die teils grausamen Geschehnisse, über die berichtet wird, mit einem gewissen Abstand  zu betrachten, dies diene schlicht dem Selbstschutz.

Alles in allem wurde deutlich, dass der Journalismus durchaus ein sehr hartes Geschäft ist, in dem, insbesondere bei einer Tageszeitung,  im täglichen Kampf gegen die Uhr produziert werden muss. Artikel haben ohne Wenn und Aber zum Redaktionsschluss vorzuliegen. Gleichzeitig jedoch sei es auch eine sehr befriedigende Arbeit, da Erfolge – etwa ein unter hohem Zeitdruck gut gelungener Kommentar oder ein Bericht - sofort sichtbar sind.

 

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