Günter Gloser MdB - Staatsminister für Europa

14. Oktober 2006
Rödl & Partner: Ein Global Player aus Nürnberg

von Volodymyr Lesynk, Martin-Behaim-Gymnasium

Ein Nachmittag der Sommerakademie war dem näheren Kennenlernen der Kanzlei Rödl & Partner in Nürnberg-Erlenstegen gewidmet. Wirtschaftskanzlei? Was beim ersten hören eher trocken klang, sollte sich zu einer spannenden Exkursion entwickeln...

Bereits beim Betreten fiel uns die moderne und transparente Architektur der Kanzleiräume auf. Insbesondere der erst 2005 fertig gestellte, lichtdurchflutete Erweiterungsbau, der „Rödl Campus“, zu dessen Einweihung sogar der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder angereist war, hinterließ bei den Teilnehmern der Sommerakademie mächtig Eindruck.

Nach einem kurzen Rundgang wurde die Gruppe in einen Präsentationsraum geleitet, wo wir Dr. Christian Rödl, einen der Geschäftsführer von „Rödl & Partner“ kennen lernten, der uns höchstpersönlich einen umfassenden Blick hinter die Kulissen des Unternehmens gewährte.

Rödl & Partner ist eine „Kanzlei“, bei einer Mitarbeiterstärke von über 2.400 Personen und 71 Niederlassungen weltweit wohl eine Untertreibung. Sie bietet Unternehmen die Dienstleistungen Rechtsberatung, Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung an. Gegründet im Jahre 1977, war die Kanzlei bis 1989 bayernweit tätig.

Seit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ wuchs das Auslandsgeschäft rasant, insbesondere mit Osteuropa. Damals wollten viele deutsche Unternehmen in die Länder des ehemaligen Ostblocks expandieren, kannten sich aber mit den dortigen Rechtsvorschriften nicht aus. Rödl & Partner hat seinerzeit seine Mandanten in diese Länder begleitet und konnte ihnen vor Ort rasch kompetente Unterstützung anbieten. Natürlich sind auch die Wachstumsmärkte in Asien ein enorm wichtiges Betätigungsfeld für die Kanzlei. Alleine in den Niederlassungen in China arbeiten über 100 Mitarbeiter und begleiten vornehmlich deutsche Unternehmen von ihrem Markteintritt bis zum Jahresabschluss - natürlich in deutscher Sprache! Eindeutig ein Wettbewerbsvorteil, denn die meisten Mitbewerber von Rödl & Partner sprechen englisch.

Aber wie konnte das Unternehmen binnen einer so kurzen Zeitspanne solche Dimensionen annehmen und zu einem der größten in seiner Branche werden, das Riesen wie „PWC“ oder „Ernst & Young“ nicht zu fürchten braucht? Wie lautet das Rezept für den Erfolg?

Dr. Rödl verrät es uns: „Wir handeln schnell, wir handeln international und wir handeln menschlich. Wir sind kein loser Verbund, kein Netzwerk, kein Franchise-System, sondern wir sind aus eigener Kraft gewachsen – und das schätzen unsere Mandanten.“ Ferner agiert Rödl & Partner als „one firm“. Das bedeutet, dass ein Mandant einen einzigen Ansprechpartner bei Rödl & Partner hat. Dieser koordiniert alle Dienstleistungen für die Mandanten und zieht je nach Bedarf weitere Experten-Teams aus der Kanzlei hinzu. Welch enormer Beratungsbedarf besteht, belegen auch die Mitarbeiterzahlen: Von 1990 bis 2006 wurden aus knapp 200 über 2.400 Angestellte.

Damit erfahrene Mitarbeiter und deren Know-how auch im Unternehmen gehalten werden können, bietet Rödl & Partner seinen Mitarbeitern die Möglichkeit, ihren Nachwuchs tagsüber in einer Kinderkrippe im Haus betreuen zu lassen und schafft mit  flexiblen Teilzeitmodellen die Voraussetzung dafür, dass junge Mütter und Väter Arbeit und Erziehung gut miteinander verbinden können.

Dann stellten sich die Teilnehmer der Sommerakademie eine weitere wichtige Frage: Wie sieht es eigentlich mit Ausbildungsplätzen bei „Rödl & Partner“ aus? Wer wird angestellt? Welche Voraussetzungen gibt es?

Zu diesen Themen referierte Brigitte Welle, die Personalchefin. Angeboten werden in erster Linie die Ausbildungsberufe „Kauffrau für Bürokommunikation“ sowie natürlich Rechtsanwalts- und Steuerfachangestellte. Beim Auswahlverfahren werden die eingegangenen Bewerbungen nach Schulabschluss (mindestens Mittlere Reife), Zeugnisbeurteilung und dem Erscheinungsbild der Bewerbung selektiert. Daraufhin erfolgt eine Einladung zum Einstellungstest, nach dessen Auswertung es eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch gibt. Die Entscheidung wird aufgrund des Testverfahrens und des Eindrucks beim Gespräch gefällt. Zum Abschluss hatte die Gruppe noch die Möglichkeit mit einigen Auszubildenden bei „Rödl & Partner“ ein Gespräch zu führen und sie mit Fragen über die Ausbildung zu löchern.

Selbst auf dem Nachhauseweg wurde noch angeregt über das Gehörte gesprochen und diskutiert. Alle Teilnehmer waren gleichermaßen beeindruckt von der Tatsache, dass es offenbar möglich ist, aus der vermeintlichen Provinz heraus als „Global Player“ weltweit tätig zu sein - nicht trotz, sondern gerade wegen der tiefen Verwurzelung in der Heimat und des nachhaltigen Wachstums.

 

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