Reden
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| 13. Juni 2008 | Rede Gelöbnis des Fernmeldebataillons Division Luftbewegliche Operationen |
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Beim Feierlichen Gelöbnis des Fernmeldebataillons Division Luftbewegliche Operationen in der Balthasar-Neumann-Kaserne Veitshöchheim am 13. Juni 2008 hielt Günter Gloser eine Rede vor den Soldaten.
Sehr geehrte Ehrengäste, Ich freue mich sehr, zu diesem feierlichen Anlass hier in Veitshöchheim sein zu dürfen. Diese schöne Stadt am Main ist mir nicht ganz unbekannt. Aber bislang bin ich immer nur zur berühmten fränkischen Fastnacht hierhergekommen. Auch für viele der Rekruten aus der ganzen Bundesrepublik, die heute hier ihr Gelöbnis ablegen, wird – bevor sie hier her kamen - Veitshöchheim mehr als eine Fastnachtshochburg denn als wichtiger Bundeswehrstandort bekannt gewesen sein. Aber für den Herrn Bürgermeister Kinzhofer liegen die Gewichte sicher etwas anders. Nicht nur der Fasching, sondern ein an Bedeutung gewinnendes örtliches Gewerbe sind wichtig und die Garnison hier stärkt ganz maßgeblich den Wirtschaftsstandort im Würzburger Land. Deshalb ist er sicher mit allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern froh, dass dieser Bundeswehrstandort gesichert ist und dass es weiter ein bestens funktionierendes Miteinander von Bürgern in Uniform und von Bürgern in Zivil hier am Main geben wird!
Liebe Rekruten, Sie haben den Grundwehrdienst erfolgreich durchlaufen. Die Ausbildung ist sicher manchmal bis auf die Knochen gegangen. Das ist bei jeder Lehrzeit so. Aber jetzt sind sie gut ausgebildete Soldaten und werden sich in ihrer jeweiligen Verwendung noch weiter fortbilden, noch mehr lernen und erfahren können. Die Bundeswehr ist immer auch ein Lernort. Sowohl was ganz praktisches Wissen und wichtige Erfahrungen fürs Leben angeht, wie auch was das menschliche Miteinander angeht. Heutzutage ist „Teamfähigkeit“ eines der wichtigsten Erfordernisse des Personalmanagements. Wo aber könnte man es besser lernen, nicht gegeneinander, sondern miteinander zu arbeiten und Aufgaben nicht individualistisch, sondern in einem funktionierenden Team, in einer aufeinander angewiesenen Gruppe und Einheit zu lösen, als hier in der Bundeswehr? Aber, meine sehr geehrten Rekruten, es geht nicht nur darum, dass man für sich und den weiteren Lebensweg Nützliches mitnimmt aus Bundeswehrzeit. Es geht darum, dass Sie mit ihrem Dienst, ihrer Bereitschaft, ihrem ganzen Tun und Handeln für andere da sein wollen. Für andere: das ist eine in unserer egoistischen und auf den jeweils persönlichen Vorteil abzielenden Gesellschaft fast schon etwas ganz Seltenes geworden. Aber Sie geloben heute, das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Sie versprechen, nicht nur für sich selbst, sondern für uns alle, die vielen Bürgerinnen und Bürger, die heute hier versammelt sind, die über 80 Millionen Frauen, Männer und Kinder in unserer Bundesrepublik da zu sein, wenn es nötig ist, und zwar von vollem Einsatz, im äußersten Fall auch mit dem Einsatz von Gesundheit und Leben. Das ist ein enorm großes Versprechen. Und dafür gebührt allen Soldaten Respekt und Dank. Dank seitens des Volkes, dem Sie dieses feierliche Versprechen geben. Und deshalb finde ich mich jetzt auch gerne in der Rolle des gewählten Volksvertreters und Mitglieds der Bundesregierung wieder, der Ihnen diesen Dank ganz offiziell übermittelt. Aber dieser Dank geht noch weiter. Wir Deutschen sind ja nicht isoliert in der Welt. Wir sind mit vielen Staaten befreundet. Wir sind eines von 27 Mitgliedsländern einer immer enger zusammenwachsenden Europäischen Union. Wir sind eines von 26 Mitgliedsländern der NATO, eines Bündnisses, in dem die Streitkräfte zusammenarbeiten, um gemeinsam die Integrität der jeweiligen Völker zu verteidigen und Gefahren von diesen Ländern abzuwehren.
Meine Damen und Herren, Unglaublich scheint es, dass Deutschland dreimal im Nachbarland Frankreich einmarschiert ist. Als Beauftragter der Bundesregierung für die deutsch-französischen Beziehungen ist es für mich jedes Mal eine Freude, wenn ich bei Schülern in Frankreich oder hier in Deutschland erfahre, dass diese sich gar nicht mehr vorstellen können, was die so genannte „Erbfeindschaft“ zwischen diesen Ländern bedeutet hat und welche Konsequenzen dies hatte, „verheerende“ Konsequenzen, im wahrsten Sinn des Wortes, die ganze Heere auf den Schlachtfeldern sinnlos verbluten ließen. Nächstes Jahr jährt es sich zum 70. Mal, dass deutsche Soldaten die Schlagbäume zu Polen niederrissen und auf Hitlers Befehl dieses Nachbarland überfielen. Heute haben wir ganz freiwillig offene Schlagbäume zwischen unseren Ländern. Heute arbeiten deutsche und polnische Soldaten in der NATO zusammen. Heute helfen deutsche und polnische Soldaten zusammen, wenn es gilt, die Bedrohung unserer Bürger durch einen natürlichen Feind zu bekämpfen, den Feind Hochwasser, sei es an der Elbe oder an der Oder.
Sehr geehrte Rekruten, Hüten wir uns vor Feindbildern!
Es gibt keinen natürlichen Feind, außer Naturkatastrophen! Die Soldaten aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Estland, Lettland und Litauen galten einst als „Feinde“. Sie repräsentierten die totalitäre Herrschaftsform des Kommunismus, obwohl diese Völker in ihrer Mehrheit dieses kommunistische Regime gar nicht wollten. Heute, nach dem Zusammenbruch des Systems des Warschauer Paktes, stehen sie mit uns gemeinsam für die Verteidigung demokratischer Prinzipien, unveränderlicher Menschenrechte und einer Kultur der Gerechtigkeit und des sozialen Friedens. Hüten wir uns davor, neue Feindbilder zu entwickeln! Auch Russland, das unserem Verteidigungsbündnis nicht angehört, ist deshalb nicht ein Feind. Sie ist ein wichtiger Kooperationspartner. Auch das ökonomisch geradezu explodierende China, das demokratische Strukturen noch nicht hinreichend entwickelt hat, ist dennoch kein Feind, der uns bedroht. Wir sind vielmehr aufgefordert, unsere wirtschaftlichen Verbindungen noch enger zu gestalten und die Entwicklung im einwohnerstärksten Land der Welt im Sinne der Wertegemeinschaft und der Menschenrechtscharta der internationalen Staatengemeinschaft voranzubringen. Die akute Bedrohung durch den Terror islamistisch-fundamentalistischer Gruppen lässt uns manchmal unser Feindbild in den islamischen Staaten suchen. Aber auch hier muss deutlich gesagt werden: die Menschen in diesen Ländern wollen überwiegend eine friedliche Entwicklung. Und denen, die den Hassparolen der Radikalen nachfolgen, sollten am wenigsten wir Deutschen mit dem erhobenen Zeigefinger kommen. Kein Volk weiß um seine eigene Verführbarkeit durch eine totalitäre, aggressive, menschenverachtende Ideologie besser Bescheid als wir Deutschen, die wir auch einem „Führer“ bis ins Verderben nachgefolgt sind. Militärische Lösungen sind hier keine Lösungen. Die Probleme, vor denen der Irak heute steht, machen dies deutlich. Und ich denke es war klug, dass die Bundesrepublik sich nicht an der militärischen Intervention im Irak beteiligt hat. Das heißt aber nicht, dass wir uns immer schön außen vor halten wollen oder können. Wir sind bereit, mit unseren Soldaten dort zu helfen, wo mit militärischen Einsätzen der Frieden gewahrt, der Frieden zwischen sich bekämpfenden Gruppen hergestellt und humanitäre Prinzipien wieder zur Geltung gebracht werden können. Wir helfen hier mit im Rahmen der Mandate der UNO und als Bündnispartner der NATO. Das gilt derzeit im Kosovo, das gilt derzeit bei dem überaus schwierigen und gefährlichen Einsatz in Afghanistan, den Kameraden von Ihnen leisten, die den Dienst in unserer Bundeswehr freiwillig zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben. Ich denke voller Respekt an jene, die in diesem Dienst ihr Leben gelassen haben oder verwundet wurden.
Meine Herren Rekruten, Das Gelöbnis, das Sie, meine Herren, heute ablegen, leisten Sie freiwillig und gerade deshalb mit ernstem Bewusstsein und mit der Würde, die einem solchen feierlichen Akt angemessen ist. Dafür darf ich Ihnen herzlich danken. Ich wünsche Ihnen allen eine gute Zeit bei der Bundeswehr, die Ihnen für den weiteren Lebensweg gute Erfahrungen mitgibt. Ich wünsche Ihnen eine unfallfreie Zeit – das gilt übrigens nicht nur für den Dienst, sondern auch für die Heimfahrten und die Freizeit, meine Herren! ... –und ich wünsche Ihnen, dass Sie später einmal gerne an Ihre Zeit bei der Bundeswehr, hier in Veitshöchheim, zurückdenken und sich mit ein bisschen Stolz und an ihr heutiges feierliches Gelöbnis erinnern. Alles Gute für die Angehörigen des Fernmeldebataillons Division Luftbewegliche Operationen, ihre Familien, Freundinnen, Freunde und Gäste! Ich danke Ihnen. |
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