Günter Gloser MdB - Staatsminister für Europa

Reden
25. Februar 2010
Laudatio auf Prof. Dr. Julia Lehner anlässlich der Verleihung des "Goldenen Herings"

Als Preisträger des vorigen Jahres hatte Günter Gloser die große Ehre, am Aschermittwoch, 17. Februar 2010, die Laudatio auf seine Nachfolgerin, die CSU-Politikerin und Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner zu halten. Der Preis wird von den "Heringsfreunden" für besonderen Humor und Durchsetzungsstärke verliehen.

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Auf dem Bild (von links nach rechts): Der Tucherbräu-Wirt Leitner, Günter Gloser (SPD), die Preisträgerin Prof. Dr. Julia Lehner und der Vorsitzende der Heringsfreunde Herr Egon Helmhagen. (Foto: Anestis Aslanidis)

Liebe Aschermittwochsgäste, liebe Freunde des Herings,

es gibt auffällige Veränderungen beim fränkischen Fasching.

Da der Fasching seine festen Traditionen hat, fällt es um so mehr auf, wenn etwas, was fast schon zur Tradition geworden ist, plötzlich fehlt.

Was über etliche Jahre hinweg das Niveau unserer Fastnachtsveranstaltungen manchmal bis auf den Nullpunkt gesenkt hat, fehlt jetzt. Und das Schöne ist, es wird auch gar nicht vermisst.

Was fehlt, sind die Blondinenwitze.

Fehlen sie vielleicht, weil die männlichen Elferräte und Festausschüsse plötzlich erkannt haben, dass man diese Witze mit einer nur geringfügigen Veränderung ja auch über in Ehren ergraute Mannsbilder erzählen kann - nein, es muss ein ganz anderer Lernprozess stattgefunden haben.

Irgendwie müssen die Männer in Franken die Erfahrung gemacht haben, dass blonde Frauen nicht nur gut aussehend und höchst charmant sein können, sondern intelligent, kompetent und durchsetzungsfähig.

Eine wissenschaftliche Arbeit über dieses Phänomen steht noch aus. Aber wenn es in zwanzig Jahren eine Dissertation über "Die Veränderungen im fränkischen Fastnachtsbrauchtum im ersten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends" geben wird, werden wir darin sicher lesen können, dass eine Person ganz wesentlich zur Überwindung der Vorurteile über Blondinen und zur Abschaffung des gemeinen Blondinenwitzes beigetragen hat, nämlich die damalige Nürnberger Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner.

Unerbittlich war diese Frau, seit sie im Jahre 2000 die Nachfolge von Georg Leipold an der Spitze des Kulturreferats antrat, auch bei allen relevanten Kulturereignissen in Nürnberg anzutreffen.

Wo immer sie dabei das Wort ergriff, wurde klar, dass man über jemand, der so leidenschaftlich und mit so viel Überzeugungskraft für eine breite Pallette kultureller Ausdrucksformen eintritt, keine Witze machen konnte. Wer sich mit Julia Lehner anlegen wollte, durfte auch durchaus die Erfahrung machen, dass mit dieser Frau nicht gut Kirschen essen ist.

Wenn sie auch nur andeutungsweise den Verdacht hat, jemand möchte ihr etwas von der Nürnberger Kultur wegkürzen, dann wird sie wie eine Löwin, die ihre Babys verteidigt! In diesen Verdacht waren vor kurzem ausgerechnet die Sozis geraten, die doch doch immer gerne das "Bürgerrecht auf Kultur" nachbeten, das sie von ihrem Schutzheiligen, dem Heiligen Hermann dem Glaser, eingebleut bekommen haben. Die Julia hat diesen Begriff ihres Vor-Vor-Vorgängers wesentlich erweitert. Sie fordert "Kultur für alle", will dass jedes kulturelle Rinnsal in Nürnberg letztlich in ein Delta einmündet, das breiter ist als das des Amazonas, was natürlich etwas schwierig ist, wenn man sich die normale Fließgeschwindigkeit und den Wasserstand der Pegnitz anschaut. Aber Julia Lehner ist unverdrossen, und strahlt, wenn zwar nicht alle, aber mindestens 50.000 Menschen zur blauen Nacht oder zu den Stadtverführungen oder zum Klassik-Open-Air kommen!

Deshalb ärgert es sie jetzt auch ganz teuflisch, dass nicht die Parteifreunde des auf Sparsamkeit bedachten Stadtkämmerers Harry Riedel, sondern eigene Parteifreunde aus der Union die Axt an die Wurzel eines der schönsten Großereignisse gelegt haben, das wir in der Region haben und das weit in die Lande hinaus ausstrahlt. Die Erlanger Schwarzen sorgen dafür, dass man derzeit schwarz sehen muss um unser Figurentheaterfestival.

Liebe Julia, Du hast während Deines Studiums versucht, die Weisheit in Erlangen zu erlangen, bitte rede mit Engelszungen, damit auch die CSU in Erlangen wieder bessere Einsicht erlangen wird und in der Region die Puppen weiter tanzen können!

Julia Lehner hat es immer verstanden, Menschen für sich und ihre Ziele einzunehmen und es ist überhaupt nichts Negatives, wenn man sagt, sie erfreue sich höchster Protektion. Nicht nur die Oberbürgermeister Scholz und Maly, sogar der jeweiligen bayerischen Kultusminister und Ministerpräsidenten, von Stoiber über Beckstein bis Seehofer.

Mit Hilfe ihres CSU-Ortsvereins Laufamholz hat es die Herrin von Schloss Unterbürg es nämlich verstanden, all diese bayerischen Landesfürsten in das Kirchweihfestzelt zu locken und dort zu bezirzen, so dass immer bei der Laufamholzer Kirchweih, unserer Stadt ein kleines oder größeres Geschenk aus München avisiert wurde. Es gab wegen dieser schönen ministerpräsidentialen Ankündigungen schon Überlegungen, die Laufamholzer Kirchweih doch mindestens zweimal im Jahr durchzuführen…

Ich selbst muss es natürlich bedauern, dass es meinem SPD-Ortsverein St. Johannis noch nie gelungen ist, einen bayerischen Ministerpräsidenten auf die Johannis-Kärwa zu locken. Was aber ausschließlich dem Mangel sozialdemokratischer Ministerpräsidenten in Bayern zuzuschreiben ist und noch einiger Anstrengungen bedarf, um sich zu ändern!

Aber eigentlich hatte Julia Lehner ja nie irgendwelche Mannsbilder als Beschützer nötig.

Auch unserer Julia höchstpersönlicher Romeo ist kein Protektor, sondern schlicht und einfach ein Mann, der seine Julia hat "dahinschmelzern" lassen, in Liebe und persönlicher Zuneigung. Und die Julia und ihr Gerd führen eine großartige Lebenspartnerschaft, die geradezu als vorbildlich gelten kann. - Außer beim Bischof von Augsburg vielleicht, für den zwei Menschen halt nur zusammenleben dürfen, wenn sie zuvor in den heiligen Stand der Ehe getreten sind. Aber zum Glück ist die Julia evangelisch und muss dem Bischof Mixa nicht unbedingt einen Gefallen tun.

Liebe Festversammlung,
es gibt viele Attribute, mit denen Politiker in ihrem Amt gekennzeichnet werden. Manche verfügen über Bauernschläue, manche über Brutalität, manche können gut die Fäden spinnen, manche gelten auch als Weicheier, andere als Wendehälse. Manche Frau wurde schon als Powerfrau tituliert. Dass man aber sagt, jemand handhabe die Politik mit Eleganz, das ist mir bisher nur bei Julia Lehner passiert.

Ihren besonderen Ausdruck findet diese Eleganz natürlich in Julia Lehners geradezu legendären Handtaschen.

Hat sie heute auch so ein berückendes Teil dabei?!

Wahrscheinlich hat sie es bei einem unserer letzten Nürnberger Täschleinmacher erworben, nahe der Hinteren Ledergasse, bei einem gewissen Louis Vuitton…

Julia Lehner geht nicht mit der Mode, sie ist einfach nur kompetent in Sachen Mode. Sie hat dafür sogar einen Doktorhut bekommen. Wer wissen will, nach welchen Regeln man und frau sich im mittelalterlichen Nürnberg kleiden musste, wie sich im Bild der Mode gesellschaftliche Veränderungen widerspiegeln, der kann dies in Julias Dissertation aus dem Jahre 1984 nachlesen. Der lokale Bezug bei diesem Thema weist Julia wiederum als leidenschaftliche Fränkin aus. Das ist sie als waschechte Nürnbergerin schließlich von Haus aus, und nicht erst, seit sie beim Professor Endress in Erlangen die fränkische Landesgeschichte aus dem FF gelernt hat!

Aber es gibt noch ein anderes Thema, von dem Julia eine Menge versteht. Das ist das liebe Geld! Sie hat sich diese Kenntnisse sehr schlau auf dem Umweg über die Geschichte des mittelfränkischen Sparkassenwesens erarbeitet. Niemand kennt die Historie der Sparkassen zum Beispiel in Roth und Hilpoltstein so gut wie sie. Und für die Sparkasse Roth-Schwabach hat sie sogar ein historisches Archiv erarbeitet, bevor sie dann der Ruf der Sparkasse in der Hauptstadt unserer Europäischen Metropolregion ereilte. Dort hat sie dann 12 Jahre lang eine hervorragende Öffentlichkeitsarbeit gemacht und vor allem unseren Sparkassen-Bankern klar gemacht, wo das Geld am besten angelegt ist und nicht Gefahr läuft, einem Konjunktureinbruch zum Opfer zu fallen. Kultur hat immer Hochkonjunktur - so lautet ihre Devise und deshalb hat sie auch nachdrücklich das Entstehen der Kultur- und Zukunftsstiftung der Stadtsparkasse befördert.

Raffiniert war das schon. Denn vielleicht hat sie geahnt, dass sie einmal das Geld, das in einem Stadthaushalt, der so ausgetrocknet ist wie die Wüste Gobi, aus der Kulturstiftung zum Wohle so mancher Kulturinitiative zum Fließen bringen kann!

1996 ist die Julia Lehner in den Stadtrat gewählt worden. Zu meinem Leidwesen stand sie dabei auf der falschen Liste. Aus meiner Sicht. Aber - so liegen die Dinge leider - es war damals die siegreiche Liste. Und damit war auch die Ausgangslage dafür geschaffen, dass Julia Lehner im Mai 2002 Nürnberger Kulturreferentin werden konnte. Das Schulreferat, das damals noch dazugehörte, ist ihr vom Klemens Gsell abgenommen worden. Aber darüber war sie sicher nicht allzu traurig. Denn wenn schon Schule, dann Hochschule. Und wenn schon Hochschule, dann bitte Kunsthochschule. An Deutschlands ältester Akademie der Bildenden Künste hat sie schließlich einen Lehrauftrag. Und das ist viel schöner, als sich um die Sanierung von Schultoiletten, die Anschaffung von Computern und die Einteilung von Schulsprengeln kümmern zu müssen.

Kunst ist eine Leidenschaft von Julia Lehner. Und da sie selbst erst mittleren Alters ist, ist es natürlich die mittelalterliche Kunst, die ihr besonders am Herzen liegt. Genauer gesagt: Julia lebt gerne an der Schwelle zur Renaissance und ist ein Fan von Albrecht Dürer, unserem langhaarigen Flower-Power-Typen mit dem genialen Pinselstrich. Ihn schickt sie modisch über den Laufsteg, mitten auf dem Hauptmarkt und vermittelt den verblüfften Bürgern ungeahnte Einsichten über die Nacktheit von Adam und Eva und das schon vor der Einführung des Nacktscanners! Mit ihrer Hilfe durften die Franken, die ja alle gerne ihr eigenes "Hosa-Gärtla" pflegen, den größten Hasenstall aller Zeiten auf dem Hauptmarkt erleben, Otmar Hörl sei dank!

Auf dem Hauptmarkt war es allerdings auch, wo Julia Lehner plötzlich Probleme bekam. Was sie da bei einem gewissen Metzel eingekauft hatte, sorgte für einen sehr heftigen Stuhlgang! Aber mit großem persönlichen Mut und mit der parteiübergreifenden Unterstützung der Nürnberger Kulturpolitiker widerstand Julia tapfer allen Bemühungen, jene weltmeisterschaftliche Pyramide aus 780 ausrangierten Stadionstühlen wieder einzureißen, die die Sicht auf den mittelalterlichen Schönen Brunnen verstellte und doch zugleich eine völlig neue Sicht auf dieses Kunstwerk eröffnete.

Was kaum ein anderes Kulturereignis in Nürnberg - seit der legendären neuenfelsschen Troubadour-Inszenierung am Opernhaus - geschafft hatte, schaffte der Turm der Stühle. Nürnberg war plötzlich kunstpolitisch in aller Munde. Und was noch schlimmer war: Nürnberg galt plötzlich nicht mehr als langweilig, sondern als aufregend und modern!

Liebe Julia, gäbe es einen fränkischen Tapferkeitsorden - Du hättest ihn Dir damals redlich verdient!

Heute gibt es für Dich allerdings einen Orden, der weniger der Tapferkeit als der Heiterkeit zu verdanken ist, mit der wir Franken allerdings sehr sparsam umgehen. Du bekommst den goldenen Hering. Zu Fischen hast Du seit Deiner Geburt ein untrennbares Verhältnis. In genau 14 Tagen wirst Du wieder ein Lebensjahr vollenden. Wenn ich sagen würde, das wievielte, würden es mir viele hier nicht glauben. Aber Tatsache ist, dass Du ein Fisch bist, zumindest was Dein Sternzeichen angeht, oder besser Dein Tierkreiszeichen, und dass ich als gebürtiger Wassermann mich vielleicht auch deshalb so gut mit Dir verstehe.

Man muss nur an die Astrologie glauben wollen, und schon biegt sie sich als Wahrheit zurecht …!

Liebe Julia,
ich freue mich, Dich in den Reihen des inzwischen recht stattlichen Nürnberger Heringsschwarms willkommen heißen zu dürfen. Der Goldene Hering ist die höchste Auszeichnung, die in unserer Stadt für die Förderung der guten Laune, des Wohls unserer Stadt und des politischen Anstands verliehen wird.

Dass es ein Hering ist, ist wohl dem Brauchtum am Aschermittwoch zuzuschreiben. Einst war der Hering ein "Arme-Leute-Essen", für ein Fünferla kam er, aus dem Salzfass geangelt auf den Tisch, für ein Fuchzgerla war als Gewedelter bei jeder Kirchweih zu haben. Dass sich die Preise geändert haben, bitte ich nicht der Einführung des Euro anzulasten, Europa ist nicht an allem schuld, aber wie Europäer müssen zugeben, dass wir am Leerfischen unserer Weltmeere leider schwer mit beteiligt sind und der Hering mittlerweile zu einer seltenen und kostbaren Delikatesse geworden ist. Trotzdem denken wir Franken natürlich bei "golden" lieber an einen goldbraun gebackenen Aischgründer Karpfen, und auch eine schöne Zuchtforelle aus dem Püttlachtal kommt uns sehr gelegen. Aber heute ist es eben der Hering, den wir uns gönnen und der Goldene Hering, den wir Dir, liebe Julia, ebenfalls von Herzen gönnen. Wir haben den Hering gern, und wenn es ein "Bismarck" ist, haben wir ihn sogar zum Fressen gern!

In diesem Sinne gratuliere ich Dir herzlich und wünsche Dir weiterhin alles Gute bei Deiner Arbeit für unsere Heimatstadt Nürnberg!

 

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