Europa und die Welt
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| 18. Juli 2011 | Grußwort von Günter Gloser zum Französischen Nationalfeiertag |
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Anläßlich des französischen Nationalfeiertags hatte der französische Honorarkonsul der Republik Frankreich zum Empfang in Fürth eingeladen. Günter Gloser, von 2005-2009 auch Beauftragter der Bundesregierung für die deutsch-französischen Beziehungen, jetzt stellvertretender Vorsitzender der deutsch-französischen Parlamentariergruppe sprach ein Grußwort und wählte dabei die Form eines Briefes an seinen französischen Freund Pierre. Lieber Pierre, heute kann ich Dir nur auf diesem Weg zum Nationalfeiertag der Republik Frankreich gratulieren. Ein Feiertag nicht nur für Frankreich, denn was wäre ohne die Revolution bei Euch in Europa nicht geschehen? Wir verdanken ihr die parlamentarische Demokratie, die Trennung von Staat und Kirche und die Proklamation der Menschenrechte. Wer kennt sie nicht: Liberté, Fraternité, Égalité! Freiheit, das war auch der Ruf vieler junger Menschen in der arabischen Welt - und er ist es immer noch, nicht nur in Tunesien und Ägypten, sondern auch in vielen anderen Ländern der arabischen Welt. Aber haben wir am Anfang eigentlich richtig verstanden, was sich dort ereignete? Nein, lieber Pierre, Eure Außenministerin wollte Ben Ali noch Unterstützung schicken. Bis die Europäer endlich begriffen, was sich vor ihrer Haustüre ereignete, verging viel Zeit. Es ist richtig: auch bei uns in Deutschland dachte man am Anfang zu viel an die Gefährdung der Stabilität, wir dachten eher an uns anstatt an den Mut der vielen Menschen, die sich für Freiheit einsetzten. Ich räume gern ein, lieber Pierre, bei Libyen hat uns Euer Staatspräsident überrascht – aber auch unsere Regierung überraschte uns mit ihrer Entscheidung im UN-Sicherheitsrat. Wir standen nicht an der Seite derjenigen, die gegen das System Ghaddafi aufbegehrten. Aber auch an die Brüderlichkeit bzw. Solidarität, lieber Pierre, möchte ich an diesem Tag erinnern. Haben wir Europäer nicht ein klägliches Schauspiel bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus Nordafrika gespielt? Wir stritten uns wegen der Aufnahme von 20.000 Flüchtlingen. Zur selben Zeit musste Tunesien trotz eigener politischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten zwischen 200.000 und 400.000 Flüchtlinge aufnehmen; und dies bei einer Einwohnerzahl von 10 Millionen. Die Bevölkerungszahl der EU soll – habe ich mir sagen lassen - etwas größer sein. Gerade an einem solch wichtigen Tag wie dem 14. Juli müssen wir uns doch alle daran messen lassen, wie wir mit Freiheit und Brüderlichkeit heute umgehen. Lieber Pierre, ich weiß, Du bist auf meiner Seite, wenn es um die richtige Antworten bei der Bewältigung der Schuldenkrise geht. Bei allen Fehlern, die die Griechen gemacht haben: wir können sie doch jetzt nicht hängen lassen. Dem Prinzip Brüderlichkeit folgend, müssten wir konsequenter handeln. Ob wir es schaffen, wieder mehr Brüderlichkeit zwischen uns Europäern zu erreichen? Manchmal habe ich angesichts bestimmter Entwicklungen in manchen EU- Ländern große Zweifel. Verstehe mich nicht falsch Pierre: heute ist Euer Feiertag, also etwas zum Feiern. Wenn ich einige kritische und selbstkritische Anmerkungen gemacht habe, dann doch nur um zu ermuntern: um die Leitideen Eurer Revolution mehr zu beachten. Frankreich und Deutschland könnten ein positives gemeinsames Zeichen setzen. Noch einmal: Meinen Glückwunsch zum Feiertag der Republik Frankreich! Übrigens: auch ich feiere. Der französische Honorarkonsul für die Region Nürnberg hat zu einem Empfang in Fürth - wohl gemerkt in Fürth - eingeladen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. À bientot! |
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